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Die Dorfkirche in Unterliederbach

ev-ulbDorfkirche Außenansicht
Dorfkirche Frankfurt-Unterliederbach / Heugasse am Marktplatz

Gottesdienste
Jeden 1. Sonntag im Monat um 9.00 Uhr mit Abendmahl
Jeden 3. Sonntag im Monat um 10.00 Uhr (Taufen möglich)
Jeden 3. Sonntag im Monat um 10.00 Uhr

Führung
Samstag 16.00 bis 18.00 Uhr

 - Die Informationen über die Dorfkirche werden in Kürze ergänzt -  

ev-ulbKirchentor Dorfkirche Unterliederbach
ev-ulbDorfkirche innen
ev-ulbDorfkirche Kruzifix Ausschnitt
ev-ulbDorfkirche Epitaph
ev-ulbDorfkirche ULB Kanzel
ev-ulbDorfkirche Grabstein Carl von Ibell

Das Dorf Unterliederbach

Siedlungsfunde reichen in Unterliederbach bis in die jüngere Steinzeit zurück (ca. 3000 v. Chr.). In römischer Zeit befanden sich einige Höfe in der Gemarkung. Erstmalig wird "Liderbach" oder "Leoderbach" um 800 n. Chr. in einer Schenkungsurkunde  erwähnt. 

Es lag im fränkischen Niddagau. Nach dem Aussterben 1175 der Gaugrafen v. Nürings fiel ihr Lehen an den kaiserlichen Lehnsherrn zurück. Bei der Neuvergabe des Gebietes entstand u.a. die "Herrschaft Eppstein", zu der "inferior Liderbach" mehr als 300 Jahre bis 1492 gehörte. Zugehörigkeit von Unterliederbach in den folgenden Jahrhunderten: 1492-1568 Landgrafschaft Hessen, 1567-1803 Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, 1803-1806 Herzogtum Nassau-Usingen, 1806-1866 Herzogtum Nassau,  1866-1945 Provinz Hessen-Nassau des Landes Preußen im deutschen Reich, ab 1945 Land Hessen der Bundesrepublik Deutschland.

1917 wurde Unterliederbach von Höchst, Höchst 1928 von Frankfurt eingemeindet.

Ursprünge der Dorfkirche

Die Dorfkirche ist das älteste erhaltene Gebäude im Dorf. Sie ist eine kleine barock ausgestattete Kirche auf mittelalterlichen Fundamenten, die ihre Proportionen bestimmen. Bei Grabungen 1988 entdeckte man Bruchsteinfundamente im Fischgrätverband, die nur im 12./13. Jahrhundert verwendet wurden. Schon vor der Reformation wurde die Kirche mit einem großen Chorbogen um einen kleinen Chorraum mit Sakramentsnische erweitert.

 

Rundgang

Der Besucher betritt die Dorfkirche durch den westlichen 1716 errichteten Eingangsbau. Das Westende des Kirchdaches trägt den oktogonalen Spitzhelmdachreiter mit 2 Glocken.

Kirchsaal Chor und Orgel

Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) in dem die Kirche sehr beschädigt wurde, erhielt sie nach und nach ihre heutige Gestalt. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden Emporen eingebaut und nach Kupferstichvorlagen  von Lucas Kilian (Apostelbilder - Nordempore)  und Matthäus Merian d. Älteren (Szenen aus dem Leben Jesu  Orgelempore) bemalt. Eine Chorverlängerung um ca. 3,60 m durch den „Stadtmaurermeister“ Kayser aus Frankfurt von 1716 ist durch Rechnungen belegt. Die Orgelempore wurde 1753 eingebaut. Auf dem Holz der Brüstung sind Verkündigung, Geburt, Auferstehung und Himmelfahrt dargestellt. In der Mitte dieser Bilder steht das Kruzifix des Holzbildhauers Joh. Paul Eckard aus Darmstadt, der es für 50 Gulden im Jahr 1760 fertigte. Der Mainzer Dompropst Graf Elz hat es gestiftet. Seit dem Mittelalter bis 1803 besaßen die Dompröpste Ländereien in Unterliederbach und hatten neben dem Recht den "Großen Zehnten" einzuziehen, die Pflicht, die seit 1527 ev. Kirche zu erhalten. Daraus entstanden jahrzehntelange Streitereien von Pfarrer und Gemeinde mit den Dompröpsten.  

1990 wurde die alte Orgel durch ein neues Instrument ersetzt, der barocke Orgelprospekt wieder verwendet. Die Orgel hat jetzt 13 Register mit 874 Pfeifen. Diese sind auf 2 Manuale und ein Pedal verteilt.

Über dem Südausgang  im Inneren hängt ein Epitaph 1772 vom Frankfurter Bildhauer Schnorr für  Kommerzienrat J. P. Stembler, der in einer Gruft innerhalb der Kirche begraben ist, gefertigt. Er, wie Bankier Steitz - sein Epitaph ist außen an der Südwand - waren wohlhabende Frankfurter mit Sommersitz in Unterliederbach. 

Kirchhof

von einer Mauer eingefasst, war er bis 1872 Friedhof der Gemeinde. Einige bemerkenswerte Grabsteine sind erhalten geblieben: so der von Cosmus Reinhard Pfeiffer (1668-1736). Der erste Schultheiß Johann Ludwig Wagner ist ebenso wie Carl Friedrich Emil von Ibell hier begraben.

 

Carl Friedrich Emil von Ibell (1780-1834)

nassauischer Beamter, manchen Kritikern zu reaktionär, den anderen zu fortschrittsfreudig. Eine Schule und eine Strasse sind in Unterliederbach nach ihm benannt. Noch lange nach seinem Tode wurde hier der Ausdruck "Wie zu Ibells Zeiten" benutzt, respektvoll dankbare Erinnerung an ihn, der hier ein Landgut (heutige Graubners Villa) besaß, eine Sonntagsschule für schulentlassene Jugendliche einrichtete (Schönschreiben, Rechnen, Landvermessung) und von "seinem lieben Unterliederbach" sprach, dem Ort, den er, müde der Auseinandersetzungen am Nassauischen Hofe immer wieder zur Erholung aufsuchte.

Seit 1803 arbeitete Ibell als Verwaltungsjurist in den Diensten des Herzogs von Nassau-Usingen. In der Folgezeit entwickelte er für das 1806 aus 20 ehemals selbstständigen Herrschaften und Territorien entstandene Herzogtum Nassau eine zentrale, gemeinsame, effiziente Verwaltung für Militär- und Rechtswesen, Gesundheitsfürsorge und  Verkehr.  

Sogar die selbstständigen  evangelischen Kirchen: Lutherische und Reformierte Kirche konnte er 1818 zur Ev. Union veranlassen. Im Jahre 1815 wurde Carl Friedrich Emil von Ibell Präsident der Herzoglich - Nassauischen Landesregierung, dritter Mann im Staate nach Staatsminister und Regent, mit welchen er 1814 die erste deutsche Verfassung entwickelte. Sie entstand durch Edikte des Herzogs, es gab keine gesetzgebende Versammlung.

Ibell wurde 1821 aus nassauischen Diensten entlassen, war dann Regierungspräsident in der Landgrafschaft  Homburg. Der erbliche Adel wurde ihm von König Friedrich von Preußen für sein energisches Verhandeln bei der Gründung des deutschen Zollvereins 1830 verliehen.

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